Kenne Dein Wofür aber mach’s nicht zu kompliziert.

Fabian steht kurz vor der Entlassung und hat mir gerade erzählt, wie viel Angst er früher davor hatte. Er ist schon mehrmals entlassen worden und jedes Mal in demselben, schädlichen Strudel danach gelandet. Jedes Mal ist er wieder ins Gefängnis zurückgekehrt, ein ewiger Kreislauf. „Die Angst ist nicht ganz weg, aber ich weiß, dass es dieses Mal anders ist. Ich weiß, dass Ihr für mich da sein werdet. Und das erste Mal in meinem Leben weiß ich auch, WOFÜR.“


Das Wofür hat Fabian in den letzten 20 Wochen entwickelt. Er ist Teilnehmer des Programms Leonhard | Unternehmertum für Gefangene, das ich 2010 mit meinem Vater gegründet habe. Unser Ziel war es, mit Strafgefangenen eine neue Perspektive aufzubauen, mit der sie nach der Haft ihr eigenes, kleines Unternehmen gründen können, um unabhängig von der Gunst eines potentiellen Arbeitgebers zu sein. Als wir in der ersten Unterrichtswoche über das Wofür – also die persönliche Vision jedes einzelnen - sprachen, war die Skepsis der Kursteilnehmer, die teilweise schon viele Jahre im Gefängnis saßen, riesig. Was sollten sie schon für eine Vision haben, außer der, eines Tages endlich hier raus zu kommen und „es irgendwie besser zu machen“.


Im Laufe der Wochen konnten wir sie dafür gewinnen, sich damit auseinander zu setzen. Sie fingen an, den Zauber zu spüren, der in diesem subtilen, zarten Ansatz liegt, dem man sich anvertrauen kann. Es fing an mit einer leisen Sehnsucht, die geweckt wurde und die, je mehr sie sich damit beschäftigten, immer intensiver und kraftvoller wurde. Eine manchmal etwas wolkige Beschreibung von dem, was tief in jedem einzelnen steckt. Ein wundervoller Startpunkt, von dem sie sich langsam weiterentwickeln konnten und ihnen die Angst vor den großen Zielen und damit vor der Zukunft nahm.


Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass man aufpassen muss, dass man es mit seinem Wofür nicht zu kompliziert macht und auf den riesigen Wurf wartet. In meinem letzten Blogartikel habe ich beschrieben, dass mich persönlich die theoretische Auseinandersetzung mit Fragen zu meiner Vergangenheit nicht so richtig weitergebracht hat.


Kenne Deine Motivatoren


Dennoch gibt es eine Reihe von Reflektionen und Fragen, die Du Dir stellen kannst, wenn Du Dich auf die Suche machst. Von sehr großem Wert halte ich die Beschäftigung mit Deinen Motivatoren, von denen es - je nach Lehre - sieben gibt. Diese Beschreibung ist von Veit Lindau, dessen Arbeit ich sehr schätze:


  • ÄSTHETISCHE MOTIVATION: Der Antrieb zu Ausgeglichenheit, Harmonie und Form.

  • ALTRUISTISCHE MOTIVATION: Der Antrieb zu humanitären Bemühungen oder uneigennützigem Helfen.

  • WIRTSCHAFTLICHE MOTIVATION: Der Antrieb für wirtschaftlichen oder praktischen Gewinn und Wettbewerb.

  • INDIVIDUALISTISCHE MOTIVATION: Ein Antrieb zu Unabhängigkeit und Einzigartigkeit.

  • POLITISCHE MOTIVATION: Ein Antrieb, Kontrolle zu übernehmen oder Einfluss zu haben.

  • REGULATORISCHE MOTIVATION: Ein Antrieb, um Ordnung, Routine und Struktur zu etablieren.

  • THEORETISCHE MOTIVATION: Ein Antrieb für Wissen, Lernen und Verständnis.


Besonders spannend finde ich hierbei, dass unsere Motivatoren häufig anders sind, als wir es uns eigentlich wünschen. Beispielsweise kann die Rettung der Welt ein wichtiger Wert für Dich sein. Aber ist dieser Wert auch ein ultimativer Motivator für Dich? Springst Du dafür so richtig an? Setzt Dich das unaufhaltsam in Bewegung, auch wenn es mal richtig anstrengend wird? Hier ist wirklich Ehrlichkeit gefragt, sonst bringt es Dich nicht voran.


Fabian und seinen Kurskollegen hat diese Auseinandersetzung sehr geholfen. Seine Vision hat ihm Kraft gegeben, sich seinen Herausforderungen zu stellen und als rechtschaffener und liebevoller Familienvater heimzukehren. Mich persönlich hat die Begegnung mit ihm und vielen anderen, mit denen wir gearbeitet haben, sehr berührt. Auch wenn ich schon seit drei Jahren nicht mehr bei Leonhard bin, so trage ich diese Momente in meinem Herzen. Sie lassen mich meine persönliche Vision“ anderen Menschen zu ermöglichen, das Gute in sich zu finden”, leben. Und dafür bin ich unendlich dankbar.


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