“Soll ich Hexe werden, weil ich als Kind gerne Bibi Blocksberg gehört habe?”

Bis vor zehn Jahren (da war ich 32) war ich heftig auf der Suche nach "etwas", dass meine Unzufriedenheit im Job ablöst. Auf die Frage: "Was hast du als Kind gerne gemacht" bin ich dabei in diversen Ratgebern und Coachings auch öfter gestoßen. Und wenn ich dann darüber nachgedacht habe, dass ich als Kind als liebstes Bibi Blocksberg gehört und dabei gepuzzelt habe, dachte ich jedes Mal "Kein Wunder, dass du deinen Traumjob nicht findest, du bist einfach viel zu durchschnittlich und hast keine herausragenden Talente." Ergebnis war, dass ich mich hinterher noch schlechter gefühlt habe.


Was tun, wenn einen die Fragen nach “Wer ist dein größtes Vorbild und was könnte das für deinen persönlichen Weg bedeuten?” und “Was sind deine drei wichtigsten Werte” für das berufliche Fortkommen wenig hilfreich sind?



Hier kommt meine sehr persönliche Erfahrung:

  1. ANFANGEN: Im Nachhinein war es ein Fehler, auf die eine zündende, lebensverändernde Idee, die alles verändert und die mich bis ans Ende aller Tage erfüllt, zu warten. Ich kenne niemanden, bei dem oder der DIE Idee plötzlich da war. Was ich inzwischen gelernt habe, ist, dass das Ganze ein Prozess ist und es wichtig ist, anzufangen, mich auszuprobieren.

  2. HINSPÜREN & EHRLICH MIT MIR SEIN: Immer wieder reinspüren, ob ich auf dem richtigen Weg bin und dann so ehrlich zu mir selber sein, mich immer wieder zu verändern.

  3. AUFHÖREN ZU SUCHEN, ABER BEREIT SEIN ZU FINDEN: Als ich aufgehört habe, nach dem goldenen Gral zu suchen, bin ich viel offener für sich auftuende Chancen gewesen. Ich bin durch Türen gegangen, bei denen ich das Gefühl hatte, dahinter könnte sich mehr verbergen, auch wenn es zu Beginn nicht 100 % Sinn gemacht hat (z.B. in ein texanisches Gefängnis zu fliegen, auf dessen Grundlage ich dann später mit meinem Vater das Sozialunternehmen Leonhard | Unternehmertum für Gefangene gegründet habe; mehr auf www.jopenau.de/story).

  4. FEEDBACK: Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt: Früher habe ich eine Idee ewig “zerdacht” und im Stillen vor mich hingebrütet. Als die Idee in mir aufkeimte, einen Ort zum Gründen für Frauen zu schaffen, habe ich es anders gemacht. Ich habe als erstes das Handy in die Hand genommen und habe mit 20 Frauen telefoniert und sie gefragt, ob ein solches Angebot ein wirkliches Problem für sie lösen würde. Neben den schönen Gesprächen und den total wichtigen Erkenntnissen habe ich dabei vor allem eins gemerkt: ich liebe dieses Thema! Ich liebe es, Frauen von meiner Idee zu erzählen. Ich liebe es zu hören, was sie in diesem Zusammenhang antreibt. Nach jedem, auch sehr intensiven Gespräch, fühlte ich mich nicht müde, sondern total beflügelt. Für mich ein ganz klares Indiz, dass ich hier auf dem richtigen Weg bin.



Kleine Anekdote:


2017 hatte ich das Gefühl, die Zeit ist reif für Veränderung. Ich wollte einen Waldkindergarten gründen (Arbeitsname: “Marens Matschkiste”). Da ich inzwischen wusste, dass es wichtig ist, schnell ins tun zu kommen, bin ich zur Gemeinde gegangen, habe dem Waldbesitzer einen emotionalen Brief geschrieben (mit handgemalter Skizze vom Wald, wo der obligatorische Bauwagen stehen könnte). Ich war bei einer Info-Veranstaltung für angehende Erzieherinnen. Und ich habe einige Waldkindergärten in anderen Gemeinden besucht und einen Tag hospitiert. Glücklicherweise war das eine sehr kalte Jahreszeit und als ich da so mitten im Wald in der Eiseskälte stand und der Erzieherin zugeschaut habe, wie sie den Kindern geholfen hat, einen Streit beizulegen, bekam ich so ein ungutes Gefühl, das könnte doch nicht das Richtige für mich sein. Aber woher kam diese Idee, ich müsste einen Kindergarten eröffnen?! Beim näherem Nachforschen stellte sich heraus, dass es schlicht die Sehnsucht nach den eigenen Kindern war. Ich hatte viel gearbeitet, als sie klein waren und so wollte ich meine Zeit mit Kindern, mit meinen EIGENEN Kindern verbringen. Was für ein Umweg zu dieser Erkenntnis.


Warum erzähle ich diese Geschichte?


Ich erzähle diese Geschichte, weil ich sicherlich noch ein halbes Jahr vor mich hätte hinträumen können, wie schön es wäre, wenn es “Marens Matschkiste” geben würde. Aber sich direkt mal in den Wald zu stellen und zu schauen, wie es sich anfühlt, hat für neue Erkenntnisse gesorgt. Und dann nochmal dem nachzuspüren, woher diese Idee eigentlich kam, hat mir wiederum die Augen geöffnet. Erst dann habe ich mich getraut, eine Zeitlang gar nicht zu arbeiten und einfach nur Zeit mit meiner Familie zu verbringen.


>> Hast Du Lust, Dich gemeinsam mit mir mal "in den Wald zu stellen" und mal ins Gründen hinein zu schnuppern? Dann ist mein Einstiegskurs DISCOVER das Richtige für Dich: www.jopenau.de/kurse